Er fängt wie fast jeden Tag mit der Planung am Vorabend an.

Ich sollte nicht so spät schlafen gehen, da der Rollstuhlsport schon um 9.00 Uhr anfängt.

Dann 1,5 Stunden Übungen, Spiele und Gymnastik mit einer gemischten Gruppe MS erkrankter Menschen.

Es ist anstrengend, macht aber auch viel Spass und ganz nebenbei wird der Umgang mit dem Rollstuhl spielerisch erlernt. Der Kontakt mit Gleichgesinnten gibt mir immer ein Gefühl der Normalität.

Aber Samstagmorgens 9.00 Uhr ist doch von der Uhrzeit auch ganz daneben, oder?

Anschließend angenehm erschöpft nach Hause und das allsamstagliche Frühstück mit Brötchen, Kuchen, Obst, Saft und viel Zeit geniessen. Zeitung lesen und erzählen.

Wenn das Wetter es zulässt wäre ein Rollstuhlspaziergang mit oder ohne Hunde ein tolles Nachmittagsprogramm. Alternativ mit den Hunden im Garten spielen. Anschließend hätte ich mir einen Nachmittagsschläfchen verdient.

Ausgeruht und ausgeschlafen könnte dann der Samstagabend kommen.


SAMSTAGMORGEN


Ich werde um kurz vor 7.00 Uhr wach.

Mein Kopf brummt, meine Beine, Füße, Arme und Hände sind schwer, schmerzend und fühlen sich an als wären sie mit viel, ganz viel Luft aufgepumpt. Der untere Rücken ist wie mit Blei verfüllt. Kurzum ich kann nicht aufstehen, geschweige zum Sport gehen.

Entspannungsübungen und dann versuchen wieder einzuschlafen. Ich bin auch soo müde.

Drei Stunden später werde ich von Kaffeegeruch und verheißungsvollem Geklapper geweckt.

Mmmmhhhh Frühstück ist fertig.

Ich horche in meinen Körper, der Kopf ist viel besser aber mein Körper fühlt sich weiterhin so an als könne er gar nicht zu mir gehören.

Das Frühstück lockt und tröstet mich ein wenig über den verpassten Sport heute morgen hinweg.

Jedoch ich merke schnell, dass ich nicht lange sitzen kann.

Da kann der Frühstückstisch mit noch so viel Liebe gedeckt sein und meinen Lieblingsspeisen locken, ich muss mich relativ schnell wieder in die Horizontale begeben. SCHMERZEN.

So ist es leider oft, ich enttäusche meine Umwelt, die sich bemüht mich zu verwöhnen und bin selber natürlich traurig, nein wütend auf mich so

zu sein.  Das Resultat, ich liege heulend oder schlafend in meinem Bett!

Ich hasse diese Krankheit, diesen absoluten Kontrollverlust.

Ich mag mich und dieses Selbstmitleid nicht. Also, bitte Elke, reiße dich zusammen, stehe auf und vielleicht hilft erst schon einmal eine schöne heiße Dusche.

Ich erspare euch den Rest, das Duschen konnte nur mit viel Kreativität durchgeführt werden.

Mein Körper will und kann heute nicht.

Ich freue mich jetzt auf mein Bett und schlafe erschöpft ein.



SONNTAGMORGEN


Ich werde wach, fühle mich ausgeschlafen und voller Tatendrang.

Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt haben klappt es heute mit dem Spaziergang.

Es ist ein kühler Frühlingstag. Wir werden begleitet von einem jubelierenden Konzert der balzenden Vogelschar.

Rotkehlchen, Amseln, Kohlmeisen, eine Wiese voller Graugänse und Schwäne, ja Schwäne auf einer Wiese und drei Eicheln mümmelnde Nutrias lassen uns zu interessierten Beobachtern werden.

Auf dem Rückweg wird es im Rollstuhl bei immerhin 9 Grad trotz warmer Kleidung recht kalt.

Warme Kleidung ist gut, ich habe soviel Lagen übereinander angezogen, dass ich mir vorkomme wie ein MICHELINMÄNNCHEN

Ich freue mich zu Hause auf eine heiße Tasse Tee oder Kakao. Danach habe ich es mir mit einer kuscheligen Decke und dem Buch „Das Rosie – Projekt“ von Graeme Simsion gemütlich gemacht und die Zeit völlig vergessen.

Ein schöner Sonntag. 

Ja, ich kann nicht mehr alles planen, aber dafür habe ich auch mehr Zeit, seit dem ich nicht mehr im Berufsleben stehe.

Und ich muss akzeptieren, dass die Planung für den einen Tag eben manchmal erst am nächsten umgesetzt werden kann oder auch über mehrere Tage verteilt, manchmal auch gar nicht.

Es gibt halt gute, durchwachsene und beschissene Tage.


Eure Elke























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