Jeder von uns, der eine Behinderung sein Eigen nennen darf, kennt sie, die neugierigen Blicke, das krampfhafte Wegschauen, die unsicheren bis unsensiblen, uninformierten und teilweise sogar bösartigen Bemerkungen unserer Mitmenschen. Positive Ausnahmen sind eher selten und generell reagieren Kinder, die, die nicht von ihren Eltern gemaßregelt werden, unbefangen und neugierig auf uns Menschen mit Handicap. Ist es genau diese Unbefangenheit, die von uns behinderten Menschen geschätzt wird?

Der besagte Kindermund käme demgegenüber aber bestimmt nicht gut an, wenn er von einem erwachsenen Menschen angebracht werden würde. Ein Satz wie‘‘ Warum lässt du dich von deiner Mama in einem Kinderwagen für Große schieben“, würde, von einem Erwachsenen geäußert, merkwürdig anmuten.
Wir würden den Menschen schlichtweg als verrückt bzw. kindisch bezeichnen oder uns veräppelt fühlen.

Viele Betroffene haben Ihre Erlebnisse niedergeschrieben. Von amüsiert bis betroffen oder gekränkt gibt eine große Bandbreite der Artikel und auch Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben.
Ich habe vieles davon gelesen und mich natürlich in vielen Situationen auch wiedergefunden und könnte auch noch einige persönliche Geschichten beisteuern.
NEIN, das ist aber nicht mein Ansinnen.
Ich frage mich wie oder was ist die richtige Reaktion, das richtige Verhalten gegenüber behinderten Menschen. Gibt es das überhaupt? Welche Verhaltensweisen empfinde ich persönlich als positiv.
Warum fühle ich mich im Kreise meiner Lieben wohl? Ich beobachte Ihr Verhalten mir gegenüber.
Sie achten nicht auf meine Gebehinderung, schauen nicht betroffen, wenn ich wieder einmal über meine eigenen Füße stolpere, mich nicht beschwingt und federnden Schrittes durch die Wohnung bewege. All dieses ist nebensächlich.
Auch wird mir bewusst, dass es unseren Hunden völlig egal ist, wie ich mich bewege oder ob ich im Rollstuhl sitze oder andere Hilfsmittel benutze, sie mögen mich so wie ich bin. Sie verhalten sich, als wäre meine Behinderung gar nicht vorhanden! Dabei verfügen sie aber sehr wohl über sehr feine Antennen. Wenn es mir schlecht geht und ich Schmerzen habe, weichen sie nicht von meiner Seite.

Allerdings kann ich natürlich nicht von Fremden oder Bekannten ein vergleichbares Verhalten wie das meiner Familie erwarten. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, warum führt die Tatsache, dass ein Mensch etwas von der Masse abweicht, sei es eine Behinderung oder auch andere Auffälligkeiten in Form von Kleidung, Frisur o.ä, oft zu Unsicherheiten und oder provokanten Bemerkungen des Gegenübers.
Es gibt sehr wohl Unterschiede im Verhalten unseres Gegenübers. Ob alt oder jung, männlich oder weiblich, egal aus welcher Bevölkerungsschicht, es ist doch meistens recht individuell .
Allerdings denke ich auch, dass das Verhalten mir gegenüber von Frau XYZ als freundlich und locker gesehen und von anderen Betroffenen als unpassend empfunden würde.
Somit ist nicht nur das Gesagte, sondern auch die Empfindung wie dieses aufgenommen wird, sehr individuell.
Trotzdem glaube ich im Sinne von uns allen zu sprechen wenn ich sage, dass wir nicht auf unsere Behinderung reduziert werden möchten. Warum fällt es selbst Freunden und Bekannten oft schwer unser körperliches Defizit als das zu sehen was es ist, ein winziger Teil von uns. Jemand mit einem Gebiss wird doch auch nicht ständig gemustert, beobachtet und auf seine falschen Zähne reduziert. Auch dessen Partner wird nicht als heldenhaft empfunden, nur weil er mit einem Menschen zusammenlebt der nicht mehr seine eigenen Zähne hat.
Verhaltet Euch doch einfach ganz normal, unser Handicap muss nicht ignoriert werden, aber es ist nur eines von vielen Dingen, die uns ausmachen. Ich persönlich unterhalte mich gerne über Gott und die Welt und beantworte auch gerne Fragen, die mit meiner Erkrankung zusammenhängen, aber halt alles zu seiner Zeit und im gewissen Rahmen.
Das Verhalten von fremden Menschen ist noch wieder eine ganz andere Sache.
Ich persönlich hasse schon diese mitleidigen Blicke, nur weil man mit dem Rollstuhl unterwegs ist.
Am Rollstuhl gefesselt , wie so oft angemerkt wird. Hallo, ich bin nicht am Rollstuhl gefesselt. Der Rollstuhl ist ein Hilfsmittel, weil meine Beine zu schwach sind, um damit weitere Strecken zu laufen.
Warum diese mitleidigen Blicke? Die stecken mich in eine Schublade, in die ich nicht gehöre und auch nicht sein möchte.
Ein Mensch auf einem E-bike wird doch auch nicht mitleidig angeguckt, nur weil er scheinbar nicht mehr soviel Kraft hat, sein Zweirad ohne Motorunterstützung zu fahren.
Behandelt und schaut uns doch an wie alle anderen Passanten auch.
Wenn wir Hilfe brauchen, werden wir diese bestimmt gerne entgegennehmen.
So wie jede Mutter oder Vater mit Kinderwagen sie auch annehmen würde oder vielleicht auch nicht, wenn nicht benötigt.

Über provokante Bemerkungen, Krankheitsbeschreibungen ob richtig oder falsch und Mitleidsbekundungen brauche ich bestimmt nichts sagen.
Es versteht sich für mich von selbst, dass ich mit fremden Menschen nicht über Persönliches sprechen möchte und auch nichts in dieser Richtung hören möchte.
Es steht unbekannten Personen einfach nicht zu, mich zu duzen und indiskrete Fragen zu stellen.
Fremden Menschen sollten den normale Sozialabstand wahren. Ich persönlich finde, dass für fremde Menschen alles was mit der Behinderung zusammenhängt, ein absolutes Tabu ist, da es halt etwas sehr persönliches ist. Sie könnten nach dem richtigen Weg fragen oder wann der nächste Bus kommt oder bitten, an der Kasse im Geschäft vorgelassen zu werden. Aber weniger ist auf jeden Fall mehr.

Es ist also eigentlich ganz einfach, wir möchten das wir gesehen werden als das was wir sind, Menschen, jeder ganz individuell. Ganz normale Menschen. Wie der Mann ohne Haare, die Frau mit dem Gipsarm, der Mensch mit Stupsnase, Perücke, klein, groß, dick oder dünn, hübsch oder hässlich. All dies sind Merkmale von uns auf die wir größtenteils keinen Einfluss haben und die sowieso nur ein kleines Etwas vom großen Ganzen von uns darstellen.
Es mag auch ein gesellschaftliches Problem sein. Aber dennoch kann jeder für sich selber entscheiden wie er auf andere Menschen zu geht und mit welcher Emphatie er soziale Kontakte pflegt.
Eure Elke

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