Ich kann meinen Frust heute wieder kaum zügeln.

Zum Verständnis fange ich erst einmal bei der Vorgeschichte an.

Ein Wohnhaus umgeben von Natur, Wald und unbefestigten Wegen ist zweifellos ein Eldorado für Jogger, Walker , Spaziergänger und Radfahrer.

Ich liebe es hier zu wohnen und der Natur so nah zu sein.

Aber ich komme von meinem Grundstück mit dem Rollstuhl nicht runter.

Alle umliegenden Wege sind, sprich der gesamte Nahbereich, für mich mit einem Aktivrollstuhl nicht selbständig zu befahren. Selbst schiebende Helfer kommen durch Wurzelwerk, Schlaglöcher und mit feinem Kies verfüllte, defekte Wege, schnell an ihre Grenzen.

Diesen, meinen Rollstuhl hat mir übrigens das Sanitätshaus empfohlen. Da es mein erster Rollstuhl ist, habe ich mich natürlich voll auf die Kompetenz des Sanitätshausmitarbeiters verlassen. Dieser war auch mehrmals hier bei mir zu Hause und sich somit der Problematik des Wohnumfeldes bewusst. Bei einer Probefahrt mit einem Vorführmodell bei mir kam ich natürlich auch ganz schnell an meine Grenzen. Es wurde mir versichert, dass deswegen auch nur ein ganz anderes, geeignetes Modell für mich in Frage kommen würde.

Ja, dieses zweifellos schöne und leichte Modell bekam ich dann auch, wie sich im Gebrauch rausstellte, völlig ungeeignet für den Gebrauch nicht nur im naturnahen Gelände.

Selbst der Weg zu unserem Briefkasten ist mit dem Rollstuhl nur unter größter Anstrengung bei ganz trockenem Boden zu bewerkstelligen.

Was bleibt ist ein großes Mass an Kreativität, um mich in meinem Wohnumfeld mit Rollstuhl zu bewegen, dies jedoch immer nur mit Unterstützung. Es werden Wege vorher auf Rollstuhltauglichkeit überprüft. Danach werde ich und mein Rollstuhl mit dem Auto so nah wie möglich dort hingefahren.

Die Alternative wäre, ausschließlich mit starken Männer spazieren zu  gehen, die mich und den Rollstuhl zur Not tragen könnten. Wenn nur die starken Männer nicht so rar wären.

Eine Lösung für alle diese Probleme würde ein Handbike, manuelles Rollstuhlzuggerät mit Restkraftunterstützung, darstellen. Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile Handbikes an.

Ich habe mit einer Herstellerfirma Kontakt aufgenommen und hier am Wohnort probegefahren.

Der Vorteil eines Handbikes gegenüber einem Aktivrollstuhl liegt u.a in der an den Rollstuhl anzukuppelnden Zugmaschine, die mit einem großen, breiten Voderrad ausgestattet ist. Das Gefährt ist somit wesentlich komfortabler gefedert und bleibt nicht in jeder Fuge, vor jeder Wurzel, in allen Löchern und vor etwas grösseren Kieselsteinen hängen.

Der Lenker, eine Bremse sowie Beleuchtung wären gegenüber einem Greifreifenrollstuhl absoluter Luxus, jedoch unter Sicherheittsaspekten und zur Sicherung der Mobilität im Nahbereich vergleichbar mit einem straßentauglichen Fahrrad.

Ausgestattet mit Restkraftunterstützung vergleichbar wiederum mit einem E-bike. Waldwege, Wiesen, Schotter, Kopfsteinpflaster, verschneite Wege und Steigungen wären für mich somit kein no go mehr.

PROBEFAHRT:

Es klappt prima, das Handbike lässt sich nach kurzer Eingewöhnungphase leicht händeln. Der Bodenbelag im näheren Umfeld stellt überhaupt kein Problem dar. Ich wäre mobil und könnte mich über größere Distanzen selbständig fortbewegen. Die Zugmaschine kann man ruck zuck abkoppeln, vor Geschäften abstellen wie ein Fahrrad und mit dem Rollstuhl könnte ich z.B auch in einer kleinen Buchhandlung stöbern und endlich wieder am normalen Leben teilnehmen. Dazu wäre die Zugmaschine und der Rollstuhl in einem größeren Pkw zu transportieren 

Ich würde meinem Traum, meine Umwelt wieder selbstbestimmt erkunden zu können, etwas näher gekommen. Mit meinen Hunden Gassi gehen, einkaufen, Freunde alleine besuchen und alleine zu meinen Anwendungen und Ärzten, meinem Geldinstitut und zur Stadtverwaltung fahren, auf meinem Grundstück beweglich sein und gleichzeitig von dem Trainingseffekt der Armbewegung profitieren.

Und last but not least abends endlich wieder nach körperlicher Betätigung draussen im LEBEN erschöpft einschlafen können.

Und jetzt kommt der Grund meines Ärgers:

Mit Hilfe des Herstellers habe ich nach Erhalt eines unverbindlichen Angebotes einen Antrag auf Kostenübernahme des Bikes bei meiner Krankenkasse gestellt.

Mit einer Genehmigung habe ich erst einmal nicht gerechnet, aber zumindest mit einer finanziellen Unterstützung.

Nach kurzer Zeit habe ich ein Schreiben von der Krankenkasse bekommen, dass sie für solche Hilfsmittel nicht zuständig sei und die Angelegenheit an den angeblich zuständigen Kreis weitergeleitet habe.

Vom Kreis habe ich nichts gehört, also habe ich nach ein paar Wochen dort angerufen und nachgefragt.

Nach vielem hin und her habe ich erfahren, dass der Kreis auch nicht zuständig sei und den  Antrag zum zuständigen Landschaftsverband weitergeleitet habe.

Wochen später, ich habe keine weiteren Infos bekommen, habe ich wieder bei meiner Krankenkasse nachgefragt.

Die wussten natürlich nichts, sie hatten den Antrag ja schließlich an die angeblich zuständige Kreisverwaltung weitergeleitet.

Immerhin hat die Krankenkasse recherchiert und den Antrag beim Kreis ermittelt.

Der Landschaftsverband hielt sich auch nicht für zuständig und hatte den Antrag deshalb wieder zurück an die Kreisverwaltung gesendet.

Und jetzt?????????????

Es sind inzwischen viele Monate vergangen, mein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, nicht zuletzt, weil ich mich darüber aufrege, wie mit uns kranken bzw. behinderten Menschen umgegangen wird.

Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht und werde Euch hier an dieser Stelle auf dem Laufenden halten.

Eure Elke

 

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