Heute bin ich nach 2 1/2 Wochen Aufenthalt in der neurologischen Fachklinik in Anholt- Isselburg wieder nach Hause gekommen.

Ich bin nach einem heftigen neuen Schub durch meine MS  in einem körperlich sowie mentalen schlechten Zustand in der Klinik aufgenommen worden.

Erschwerend  kam noch eine bakterielle Blasenentzündung hinzu, die ich wohl zu Hause verschleppt hatte und in der ersten Nacht hier im Krankenhaus meinte, mich völlig aus den Latschen hauen zu müssen. Mein Einstand mit Fieber, der daraus resultierenden rapiden Verschlechterung meiner MS sowie Dauerschwindel, Erbrechen, Kopfschmerzen, plötzliche Blasenschwäche und vieles mehr war für alle Pflegekräfte und auch den Ärzten eine zeit- und arbeitsintensive Angelegenheit. Ich hatte jedoch trotz allem von Anfang an das Gefühl sehr gut aufgehoben zu sein und war froh hier, genau hier zu sein. Alle Beteiligten vermittelten mir das Gefühl, du bist krank, wir sind für dich da und wir bekommen das wieder hin. Nach drei Tagen war der Spuk soweit behoben, dass die eigentliche Behandlung bzw. viele Untersuchungen bezüglich meiner Muliplen Sklerose  beginnen konnten.

Die meisten Untersuchungen wie z. B.  EEG, VEP, AEP, SSEP, SSR und Blinkreflexe sowie Blut- und Urinuntersuchungen wurden im Hause durchgeführt. Zum MRT wurde ich nach Bocholt ins Krankenhaus gefahren. Ein von dort gefaxter Kurzbericht an den mich im Anholter Krankenhaus behandelnden Professor wurde mir von diesem noch am gleichen Mittag erklärt, so wie mir alle Untersuchungsergebnisse sehr schnell und in verständlichen Worten weitergegeben wurden. 

Nach Abschluss der Untersuchungen kam der Professor, um mir verschiedene medikamentöse  Behandungsmöglichkeiten aufzuzeigen, da der aktive Krankheitsverlauf in irgendeiner Weise gestoppt werden sollte. Abends bekam ich dann verschiedene schriftliche Ausarbeitungen vorgelegt, die mir meine Entscheidungsfindung erleichtern sollten. Am nächsten Tag sind wir, Arzt und ich, nochmals alle Alternativen durchgegangen und mir wurden wirklich alle Fragen geduldig beantwortet.  Zuguterletzt hatte ich das Gefühl, dass wir, Arzt und Patient, gemeinsam das ultimativ beste Medikament für mich ausgewählt hatten. – Ich vermute, Herr Professor wusste vorher schon worauf die Wahl fallen sollte, aber ich hatte zumindest das Gefühl, ein großes Mitspracherecht zu haben. – Das ist Diplomatie!

Auch die ruhige und emphatische Oberärztin hat sich sehr viel Zeit genommen und mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Zwischenzeitlich hatten sich die verschieden Therapeuten auch schon ein Bild von meinen Defiziten machen können und entsprechende Therapiepläne erstellt.

Jetzt konnte es richtig losgehen. Dabei wurde jedoch immer noch viel Rücksicht auf meine abklingende Blasenentzündung genommen.

Die darauffolgenden Tage waren geprägt von frühem Aufstehen, Frühstück, Visite, Therapien mit sehr engagierten aber auch strengen Therapeuten, die allesamt viel Wert auf eine korrekte Ausführung Ihrer Übungen legten, Mittagessen, weitere Anwendungen und dann für mich persönlich schlafen. Die medikamentösen Behandlungen liefen jeweils parallel.  Anschließend habe ich die Zeit mit viel lesen, ausruhen, Abendessen und ausgiebigen Spaziergängen bzw. Rollstuhlfahrten in dem zum Krankenhaus gehörenden sehr schönen Park genutzt.  Hier hat man auch immer wieder Mitpatienten getroffen, mit denen man sich austauschen konnte. Aufgrund der übersichtlichen Größe des Krankenhauses begegnete man sich häufig im Aufzug, auf dem Weg zur Therapie oder auch im Park. Patienten, die geselliger sind als ich, können die Mahlzeiten auch gemeinsam in einem Tagesraum auf der jeweiligen Station einnehmen, anstatt auf dem Zimmer. Zudem bietet ein hauseigener Bistro die Möglichkeit, sich mit Mitpatienten oder Besuch hier auf z.B eine Tasse Kaffee und Kuchen zu treffen. Eine dazugehörige Aussenterasse wurde bei schönem Wetter auch gut frequentiert. Ein Verzehrzwang gibt es glaube ich nicht.

Sehr viele Patienten sind jedoch bettlägerig und stark pflegebedürftig. Meine Bewunderung gilt dem Pflegepersonal, die diesen schwer erkrankten Patienten mit sehr viel Hingabe und Engagement versuchen, den Aufenthalt in der Klinik so angenehm wie möglich zu gestalten und dies meistens noch mit einem Lächeln im Gesicht. Dass es hierdurch auch manchmal zu Wartezeiten für die Patienten kommt, ist selbsterklärend. Die Therapeuten kommen bei nicht mobilen Patienten auf das Zimmer. 

Auch gibt es einen hervorragend organisierten Bring- und Abholdienst zwischen Patientenzimmer und den verschieden Anwendungsbereichen innerhalb des Hauses. Mobile Patienten begeben sich zu den angeordneten Zeiten in den jeweiligen Wartebereich der Therapieabteilungen und werden dort jeweils vom Therapeuten in Empfang genommen. Ich habe jede angeordnete Anwendung während meines Aufenthaltes genossen, auch wenn sie mich zeitweise schon an meine Grenzen gebracht hat. Unter dem Strich bin ich zuversichtlich und auch körperlich gekräftigt sowie mit viel weniger Schmerzen nach 2 1/2 Wochen Aufenthalt entlassen worden. Im Gepäck hatte ich ausserdem einige neue Tipps für mein häusliches Fittnessprogramm und bezüglich einiger Hilfsmittel.

Nicht unerwähnt sollten auch die reibungslosen Aufnahme- und Entlassungsmodalitäten bleiben. Kurz nach der Ankunft wurde ich auf mein Zimmer  gebracht. Dies war, wie alle Räumlichkeiten im Krankenhaus, großzügig bemessen, hell, freundlich und sehr sauber. Der Balkon, mit der schönen Aussicht zum Park gelegen, wurde wenn das Wetter es zuließ, gerne von mir genutzt.

Ich kann mich wirklich nur bei allen Beteiligten bedanken und möchte nicht verschweigen, dass ich eher als kritischer Mensch beschrieben werde.

Natürlich hoffe ich, nie mehr in die Verlegenheit zu kommen, dieses Krankenhaus in Anspruch nehmen zu müssen.

Wenn meine MS aber meinen sollte, mich wieder einmal so von den Beinen holen zu müssen, dann kommt für mich nur diese Klinik in Betracht und dies in der Hoffnung, dass mir dort dann wieder so gut geholfen werden wird!

Eure Elke

PS

Einfallsreiches Wochenendprogramm

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13 Kommentare zu „Augustahospital Anholt – Erfahrungs – bericht

  1. Schön, wenn es dir dort so gut gefallen hat und das in allen Bereichen. Es ist einfach wichtig, sich sehr gut aufgehoben zu fühlen und das ist da A und O bei so einem Aufenthalt.

    Alles Liebe für DICH ❤

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  2. Liebe Elke,
    schön, dass du dich trotz deiner Beschwerden wohl in dieser Klinik gefühlt hast. Das macht einem vieles leichter, denke ich. Ich freue mich, dass es dir jetzt wieder besser geht und hoffe, dass du so bald nicht wieder in ein Krankenhaus musst!
    LG Reni

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  3. Ein durch und durch positiver Bericht, das tut gut, denn zu oft hört man eher das Gegenteil.
    Ich wünsche dir ein gutes Ankommen zuhause und weiterhin gute Besserung und Wohlbefinden.

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  4. Liebe Elke. Da hast du ja so einiges hinter dir. Es tut gut zu hören das es noch tolle Kliniken gibt wo einem mit viel Engagement geholfen wird. Sonst hört man nur Gruselgeschichten über Krankenhäuser das man sich wünscht niemals krank zu werden. Ich hoffe dir geht es jetzt wieder so gut das du es genießen kannst wieder zuhause zu sein. Alles Liebe und Gute für dich. Nati

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    1. Ja, mir geht es wieder viel, viel besser.
      Als ich eingeliefert wurde konnte ich nicht mehr laufen und nicht mehr richtig sprechen, dann wurde alles noch schlechter. Jetzt laufe und spreche ich wieder und habe kaum Schmerzen.
      Wir alle sind überglücklich.

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