Es ist 20.30 Uhr am Sylvesterabend und ich liege im Bett.

Nein, ich bin nicht schon betrunken, auch nicht traurig, einfach nur krank.

Eigentlich müsste ich mich freuen, dass dieses Jahr 2017 zu Ende geht. Es war kein gutes Jahr für mein näheres Umfeld, für mich persönlich und für die gesamte Bevölkerung schon gar nicht.

Aber ich schaue auch dem neuen Jahr nicht mit ungetrübten Optimismus entgegen, aber ich möchte es zumindest bewusst beginnen. Ich habe noch keinen ausgefeilten Plan aber den festen Willen meine persönlichen Bedürfnisse etwas in den Vordergrund zu stellen. 

Ich werde mich von dem Gedanken verabschieden müssen, in den nicht aktiven Phasen meiner MS wie eine gesunde Frau agieren zu können und möglichst alles perfekt zu machen. Den Haushalt, das große Grundstück, die Ernährung, die Pflege der Hunde, als Mutter zweier erwachsenen Söhne und ihrer Freundinnen, als Tochter, Schwester, Schwägerin und nicht zuletzt als Partnerin.

Ich schaffe es einfach nicht und schon gar nicht ihrer Kritik standzuhalten, was ich für den Einen richtig mache, ist für den Anderen ein bisschen falsch bzw. völlig unvorantwortlich.

Meine Krankeit sorgt dafür, dass sich die Menschen um mich herum Sorgen machen aber auch dafür, sich über meine Entscheidungen ein Urteil bilden zu können, soweit, sogut, aber nicht wenn es ständig lautstark diskutiert wird.

Natürlich liegt es wohl an mir, dass ich das irgendwie forciere und bis dato auch zugelassen habe, aber, aber….

Komischerweise bin ich aber nicht das Prinzesschen oder das unselbständige Mäuschen,, sondern ganz im Gegenteil eigentlich sehe ich mich eher als sehr realistisch und mit beiden Beinen auf dem Boden stehend.

Aber nur noch auf einem, statt früher auf sechs Zylindern laufend, werde ich meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht, mache aber trotzdem immer zuviel, falle dann in ein Loch und möchte dann einfach nur einmal verständnisvoll aufgehoben werden…….Da kommen aber immer nur Kommentare wie: Das habe ich dir doch immer schon gesagt oder gewusst, oder der oder die hätten dir ja helfen können oder dies oder das erst gar nicht zulassen dürfen.

Kurzum, ich muss etwas ändern und das an mir, nicht an meinen Lieben.

Ich fange damit an, Dinge die ich für mich machen muss wie z. B. eine Reha, nicht mehr zu verschieben um für jemanden Anderen da zu sein, um dann wiederum noch kränker zu werden. Voraussetzung dafür wäre natürlich, dass alle gut versorgt sind und Aufgaben delegiert werden können.

Ich tue damit niemanden einen Gefallen zu meinen, ich bin für alles verantwortlich und mir am Allerwenigsten.

Ich nehme mir einfach vor, in Zukunft etwas fauler zu werden und meine Bedürfnisse nicht immer hintenan zu stellen Ich glaube gerade damit auch allen, die sich ständig auf ihrer Art Sorgen um mich machen, eine große Last zu nehmen.

In diesem Sinne bleibe ich heute selbst am Sylvesterabend im Bett liegen, mache keine leckeren Snacks, habe nichts dekoriert, noch nicht einmal die Wäsche von der Leine genommen ( das ist einem alten Brauch zufolge ein absolutes No-Go und bringt Unglück) sondern versuche mich gesund zu schlafen.

Ich wünsche euch allen ein tolles, gesundes, fröhliches, stressfreies, erfolgreiches, friedvolles Jahr mit viel Zeit für die schönen Dinge des Lebens.

Eure Elke

Advertisements

20 Kommentare zu „Time for change

  1. Liebe Elke,

    obwohl ich Dir „folge“ (als Follower auf WP), bekomme ich Deine Beiträge nicht immer angezeigt und lese einige erst jetzt.😢

    Du schreibst:
    „Meine Krankeit sorgt dafür, dass sich die Menschen um mich herum Sorgen machen aber auch dafür, sich über meine Entscheidungen ein Urteil bilden zu können, soweit, sogut, aber nicht wenn es ständig lautstark diskutiert wird.“

    Ich finde, dass Du niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig bist.
    Es ist DEIN Leben, DEINE Krankheit, es sind DEINE Entscheidungen. Selbst wenn letztere „falsch“ waren, so ist es DEINE Sache, daraus die Schlüsse zu ziehen, die DIR wichtig sind.
    Apropos Entscheidungen:
    Wie oft sagen wir: „Meine Entscheidung war falsch.“
    Das ist eigentlich Unsinn. Die Entscheidung wurde in jenem Moment gefällt, im Stand unseres Wissens, unserer Erfahrung und Emotion.
    Wie könnte sie also „falsch“ gewesen sein?

    Selbst wenn andere Menschen Dir helfen, so ist es wichtig, dass sie mit Liebe Deine Entscheidungen akzeptieren und Dich daraus wachsen lassen – schließlich musst DU mit der MS leben und hast sie stündlich neben DIR sitzen – obwohl Du sie nie eingeladen hast….

    Du bist ein sehr lieber Mensch und JEDER (!!!) kann sich an Deinem Optimismus und deiner Liebe zum Leben eine Scheibe abschneiden.

    So. Musste raus.

    Ich drück Dich und wünsche Dir für dieses Jahr, dass Du nur an Dir ändern möchtest, was DICH wirklich weiterbringt und das Vögelchen „Leben“ fliegen lässt.

    Yes! Du denkst an Dich. 💟

    Herzlichst,
    Sylvia

    Gefällt 2 Personen

    1. Du treibst mir wiklich Tränen der Rührung in meine Augen, deine Worte sind sooo unheimlich verständnisvoll. Danke.
      Schade, dass ich dich wieder nur aus der Ferne grüßen kann. So eine Freundin würde ich mir wünschen.

      Gefällt 1 Person

    2. 😯🍀🌷

      So geht es mir auch. Alle lieben Menschen wohnen zu weit weg – hier ist es ein Leben ohne Freunde (aus vielen Gründen).

      Stärke kommt gut an. Schwäche ist das Werk der Nichthelden. 😑

      Gefällt 1 Person

  2. Bei mir in der Klinik, in die ich 2011 kam, weil ich die ganzen Belastungen (die im Tod meines Mannes gipfelten, er war schwer krank) nicht mehr tragen konnte, hieß es: wenn jeder sich um sich selber kümmert, ist für alle genug getan 😎 was ja nichts anderes heißt, als dass jeder die Verantwortung für sich selber hat und man seinen Lieben nicht immer alles nachtragen soll, schließlich haben sie selber Arme und Beine. Musste ich echt lernen 😉
    In diesem Sinne für 2018 alles Liebe! Bleib liegen, wenn Du liegen bleiben willst, die anderen sind auch erwachsen und können ihre Sachen selber regeln 😜

    Gefällt 2 Personen

  3. Vielen Menschen scheint es schwer zu fallen, das Recht eines Kranken oder sonstwie Hilfsbedürftigen auf eigene Entscheidungen zu respektieren. Du hast auch ein Recht, Fehler zu machen wie alle anderen, ohne dich ständig rechtfertigen zu müssen, ohne dich kontrollieren zu lassen. Manchmal ist das Selbstbestimmungsrecht das Einzige, was einem noch bleibt. Verteidige es und geh deinen Weg. Alles Gute für 2018 – caro.

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Elke, trotz alle dem wünsche ich dir alles erdenklich Gute für das neue Jahr. Man kann von aussen her natürlich alles mögliche beratschlagen…es ist echt schwer. Aber ich finde: Sei einfach fauler, denk viel mehr an dich und deinen Körper. Mach es!
    Lieben Gruß von Ellen

    Gefällt 2 Personen

  5. Danke Dir und ich wünsche Dir ebenso ein frohes neues Jahr und Du wirst es schaffen was zu ändern.Step by Step. Alles Gute und viel Kraft für dieses Jahr. Liebe Grüße Sven

    Gefällt 2 Personen

  6. Hallo liebe Elke.
    Es zerrt doch unheimlich an den Kräften wenn man ständig diskutieren muss warum man dieses oder jenes tut. Auch wenn man weiß das man krank ist, weniger belastbar, möchte man doch selbstständig das ein oder andere machen. Man fühlt sich ja noch kränker wenn man immer um was bitten muss oder einem etwas abgenommen wird. Es kratzt unheimlich am Ego, bekommt man dadurch doch ständig vor die Nase gesetzt das man Krank ist. Man will es nicht immer sehen und daran denken müssen. Alleine etwas schaffen, ohne Hilfe, das will man. Noch etwas wert sein. Vielleicht muss man auch mal klare Worte finden, auch für die Lieben. Denn nur wenn man sich noch gut fühlt, fühlt man sich nicht so krank. Wenn die Krankheit auch mal im Hintergrund bleiben darf, fühlt man sich wohl.

    Gefällt 3 Personen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s