Ende Januar bekam ich eine Einladung zum Mobilitätstraining für Rollstuhlnutzer. Im Rahmen des Forschungsprojektes Mobilität 2020 wird 2018 bundesweit Mobilitätatraining für Rollstuhlnutzer angeboten. Ziel ist es, neben einer Verbesserung der Mobilität, die Wirksamkeit von Mobilitätstrainings wissenschaftlich nachzuweisen.

Veranstalter ist das Team des FIBS ( Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport ).

Geplant sind zwei Termine im Abstand von einem Monat in der Sporthochschule in Köln. Weitere Termine verteilt über die gesamte Republik sind über die am Ende des Artikels stehende Adresse zu erfragen.

Am letzten Samstag war es dann soweit, um 9.45 Uhr Treffpunkt Sporthochschule Köln. Kind2 hatte sich zu meiner grossen Freude bereiterklärt nicht nur für den Transport zuständig zu sein, sondern auch das Training mitzumachen. Rollstühle waren in der Halle vorhanden.

Ich war vorher freudig nervös, hatte jedoch auch Bedenken, ob ich fit genug sein würde, um einen ganzen Trainingstag durchzuhalten.

Um es vorweg zu nehmen, ich habe durchgehalten, es hat uns Teilnehmern allen riesigen Spass gemacht, meinem Sohn glaube ich am meisten und es war sehr, sehr lehrreich.

Am Anfang musste jeder Teilnehmer einen Testparcour absolvieren. Kanten, Stufen, Rampen, holpriger Untergrund, ich bin einfach nur restlos gescheitert und das alles wurde auch noch dokumentiert. Die meisten Teilnehmer waren wesentlich fitter im Rolli unterwegs als ich. Kind2 scheint ein Naturtalent zu sein,…Frust für mich, Freude für ihn. …Ja Sohnemann, du bist genial und ich ein Rollstuhllegastheniker. Dumm nur, dass ich darauf angewiesen bin. ABER, schliesslich bin ich ja hier um zu lernen.

Gelernt haben wir alle an diesem Tag reichlich. Auf dem Programm standen die Basics wie vorwärts und rückärts fahren, das jeweilige Bremsen sowie kleine und grosse Kanten und Stufen, Gefälle hoch und runter fahren und den Sicherungsgriff.

Während des Trainings wurde ich häufig an meine ersten Skischulstunden erinnert. Ihr fragt euch, was haben Rollstuhlfahren und Skifahren gemeinsam, die vom Ungelernten automatisch falsche Haltung aus reiner Angst vor dem Sturz.

Ausser einer gemeinsamen Mittagspause, in der wir uns Essen von einem Lieferservice bringen ließen, haben wir bis nachmittags fleissig trainiert und geübt. Zwischendurch wurden immer wieder gemeinsame Spiele gemacht, in denen das gerade gelernte angewandt werden konnte.

Bei jeder Übung standen mehrere Personen zur Sicherung bereit, um ein gefahrloses Training zu ermöglichen.

In vier Wochen treffen wir uns an gleicher Stelle wieder und werden die gelernten Fahrtechniken weiter ausbauen.

Ich freue mich und hoffe wieder vom Naturtalent begleitet zu werden.

Das Training ist kostenfrei und nach dem Absolvieren des zweiten Termins bekommt man als behinderter Teilnehmer sogar eine Aufwandsentschädigung. Das Mittagsessen wurde spendiert.

Zudem erhält man Zutritt zur Onlineplattform des Projektes mit vielfältigen höchst interessanten Übungen zur Mobilität im Rollstuhl.

Ausserdem leistet man einen Beitrag für die Forschung im Bereich der Mobilität von Rollstuhlnutzern.

Ganz abgesehen vom persönlichen Lernerfolg und dem Spassfaktor erhält man vom Teamleiter viele hilfreiche Tipps zum rollenden Untersatz und allgemeine Tipps für uns Rollstuhlfahrer.

Lieber Patrick, Irina, Sabine und Maike ich danke euch für diesen rundrum gelungenen und lehrreichen Tag und dafür, dass Sohnemann mittrainieren durfte und die hier gesammelten Erfahrungen hoffentlich später in seinem Beruf als Architekt und/oder Stadtplaner umsetzen kann.

Ich freue mich auf den nächsten Termin und übe bis dahin fleissig in meinem rollenden Jaguar.

Ansprechpartner

Irina London

Tel.: 02234-2052372

EURE ELKE

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6 Kommentare zu „Rolliges Training

    1. Guten Abend Katrin,
      ich bin auch ganz glücklich über diese tolle Möglichkeit die mir geboten wird. Ich roller die ganze Woche schon wie eine irre durch die Wohnung und freue mich schon auf den den nächsten Termin.
      Großes Indianerehrenwort, ich werde wieder berichten.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
      LG Elke

      Gefällt 1 Person

  1. Hallo Elke.
    Das klingt doch super. Du kannst verschiedene Situationen üben und du weißt wie du an welches Hinderniss heran gehen/fahren musst.
    Natürlich musst du weiterhin üben, üben, üben. Schon allein wegen der Ausdauer.
    Solche Trainings sollte jedem neuen Rollstuhlfahrer angeboten werden, meist fühlt man sich ja erst einmal allein gelassen.
    Werden die Studien auch für den Städtebau genutzt? Das fände ich persönlich sehr wichtig.
    LG, Nati

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Nati,
      genau, das ist das Ziel dieser Studie, Rollstuhlfahrern demnächst durch die Sanitätshäuser oder auch in den Reha’s entsprechendes Training anzubieten.
      Ohne ist Frau, Mann wirklich aufgeschmissen.
      Das mein Sohn anwesend war ist reiner Zufall, er kann sein Wissen und seine Sensibilisierung für die Probleme für Rollstuhlfahrer nur persönlich umsetzen.
      Natürlich gibt es entsprechende Richtlinien und auch festgeschriebene Gesetze, aber das ist bei weitem nicht ausreichend.
      Aber es tut sich ja etwas in der Gesellschaft, nur bekanntlich braucht das seine Zeit.
      Herzliche Grüße
      Elke

      Gefällt 1 Person

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